Rhein-Ruhr-Talk

Manfred Zander, Marion Rodine, Runkel Rechtsanwälte

CORONA – Was Unternehmen beachten sollten!

Manfred Zander (Partner) und Marion Rodine (Partnerin) von Runkel Rechtsanwälte aus Wuppertal im Gespräch mit unserem Mittelstandsnetzwerk.

Wie schätzen Sie als Insolvenz- und Restrukturierungsexperten die aktuelle Corona-Lage im Mittelstand ein?

Einige Branchen profitieren – zumindest aktuell -  von der Krise. Dazu gehören Unternehmen, die Schutzkleidung und Medizingeräte produzieren, aber auch solche, die „krisenrelevante“ Produkte in ihrem Angebot haben, wie z. B. Supermärkte und Produzenten von Hygieneprodukten. Dann gibt es Unternehmen, die mit angezogener Handbremse arbeiten, weil Lieferketten unterbrochen sind oder Kunden Bestellungen zurückfahren. Und dann gibt es noch die aktuellen Krisenverlierer, die ihre Geschäfte schließen mussten und  von jetzt auf gleich keine Umsätze mehr haben. Dazu gehören z. B. Hotels, Restaurants, Clubs, Veranstalter, Kulturbetriebe und (in weiten Teilen) Einzelhändler .

Wie hoch ist denn der wirtschaftliche Druck in diesen Branchen? Steigt die Zahl der Insolvenzen aktuell?

Wir haben so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm, der aber zunehmend spürbar ist. Im Moment trifft es vor allem Unternehmen, die bereits vor der Corona-Krise finanziell schwach aufgestellt waren. Dazu gehören vermutlich auch die in der Presse thematisierten Unternehmen wie z. B. Vapiano, Karstadt/Kaufhof, Maredo und Esprit. Wie weniger medienwirksame  Unternehmen aus den Krisenbranchen in dieser Situation sind, ist aktuell noch schwer zu beurteilen. Bereits vor dem Shutdown angeschlagenen Unternehmen können nicht unter den von der Bundesregierung aufgespannten KfW-Rettungsschirm schlüpfen. Hier bleibt oft nur die Insolvenz, bei lediglich drohender Zahlungsunfähigkeit ggf. noch in der Variante des  Schutzschirmverfahrens. 

Was ist mit den anderen Unternehmen?

In Deutschland liegt die Eigenkapitalquote bei Unternehmen im Durchschnitt erfreulicherweise über 30 Prozent. In den letzten 10 Boom-Jahren haben sich viele Mittelständler ein starkes finanzielles Polster zugelegt. Ein Corona-Shutdown von einigen Wochen ist für sie zwar schmerzhaft, aber nicht existenzgefährdend. Durststrecken können oft mit Kurzarbeitergeld überbrückt werden.

Für Unternehmen aber, die vor der Corona-Pandemie finanziell gut aufgestellt waren, nun aber allmählich in eine Schieflage geraten, weil z. B. die Eigenkapitalreserven nicht ausreichen oder schlichtweg die Liquidität ausgeht, hat die Bundesregierung die Insolvenzantragspflicht zunächst bis Ende September ausgesetzt.

 

Was bedeutet das konkret?

Wichtig ist vor allem, dass die Geschäftsführung sorgfältig und lückenlos dokumentiert, dass das eigene Unternehmen vor der Corona-Krise nicht in finanziellen Schwierigkeiten war. Dazu dienen z. B. der Jahresabschluss 2019 und Planungen zur Liquidität.

Zur guten Vorbereitung gehört aber auch ein schlüssiges Sanierungskonzept, dass die Krisen-Maßnahmen, aber auch den Turnaround nach Corona zeigt. Wie kann der Kapitalmarkt für neue Liquidität erschlossen werden? Wie können Kosten durch Verzicht und Restrukturierung radikal gesenkt werden? Wie kann die Digitalisierung dabei helfen? Das sind nur einige Fragen, mit denen sich Entscheider im Mittelstand beschäftigen müssen. Wir begleiten unsere Mandanten dabei mit einem Team aus interdisziplinären Expertinnen und Experten, die alle über langjährige Erfahrungen mit Sanierungsfällen verfügen.

Was können Unternehmen, die vom Shutdown betroffen sind, sonst noch tun?

Richtig und wichtig ist es, sich beim Sanierungskonzept auf den Worst Case vorzubereiten. Auch bei der Inanspruchnahme von Finanzierungshilfen gilt es, den Verschuldungsgrad des Unternehmens im Blick zu behalten und die Sinnhaftigkeit einer weitergehenden Verschuldung kritisch zu prüfen. Medienwirksame Beispiele zeigen, dass „Schutzschirm statt Rettungsschirm“ eine unternehmerisch sinnvolle Entscheidung sein kann. Genauso wichtig ist es aber, bereits heute Umsätze für die Zeit nach der Krise zu generieren. Bei allen Krisenarbeiten, die viel Zeit und Nerven kosten, muss dringend Raum für den Vertrieb und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle bleiben. Gefragt sind Kreativität, Mut und Entschlossenheit, also klassische Unternehmertugenden.

Herr Zander, Frau Rodine, vielen Dank für das Gespräch!

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