Rhein-Ruhr-Talk

Julian Gunter, PROSOFT GmbH

Scrum – Agile Produktentwicklung

Julian Gunter, Geschäftsführer der PROSOFT GmbH aus Hemer, im Gespräch mit unserem Mittelstandsnetzwerk.

Sie beschäftigen sich in Ihrem IT-Unternehmen sehr intensiv mit agilen Methoden der Produktentwicklung? Warum eigentlich?

Wir sind ein mittelständisch geprägtes Software-Unternehmen mit Lösungen für die Unternehmens- und Produktionssteuerung (ERP und CRM), Finanzbuchhaltung und Controlling, Personalmanagement sowie Prozessanalyse und -optimierung. Da die Welt um uns herum immer volatiler und unsicherer wird, kommen wir mit dem traditionellen Programmieransatz nicht mehr weiter. Software kann nicht mehr am Reißbrett zu 100 Prozent vorgedacht werden. Für Lastenhefte mit 300 Seiten, langwierige Ausschreibungen und daraus wiederum abgeleitete dicke Pflichtenhefte ist die Welt zu komplex geworden. Wir benötigen schnellere und flexiblere Methoden wie Scrum, Design Thinking und Kanban.

Wie funktioniert denn Scrum? Was ist das Besondere?

Scrum ist nicht neu. Die Ursprünge liegen schon über 20 Jahre zurück. Der Begriff kommt aus dem Rugby und bedeutet auf Englisch so viel wie „Gedränge“. Es beschreibt ein Verfahren der Produktentwicklung, bei dem kleine Teams unabhängig und eng abgestimmt zusammenarbeiten und in kleinen Schritten iterativ vorgehen. Inzwischen hat sich daraus eine strukturierte Methodik und eine ganze Beratungsindustrie entwickelt. So gibt es neben den Teammitgliedern den Scrum Master, der den Entwicklungsprozess methodisch und nur beratend steuert, und den Product Owner als Advokat des Kunden und Auftraggebers. Die Aufgaben werden im sogenannten und von allen Beteiligten jederzeit zugänglichem Scrum Backlog abgeleg, sowie in sogenannte Sprints von z. B. 14 Tagen unterteilt. Ein Daily Scrum, ein Standup-Meeting von 15 Minuten, dient der internen Feinabstimmung. Die Sprint Retrospektive ist ein regelmäßiger Rückblick mit einer Stärken-Schwächen-Analyse.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Scrum in Ihrem Unternehmen gemacht?

Das Gute an Scrum ist, dass die Software-Entwicklung nicht im luftleeren Raum, sondern an funktionierenden Betaversionen erfolgt. So kann jeder Teilnehmer in einer Echtumgebung Funktionen und Designs testen. Wir haben Scrum eingeführt, wieder abgeschafft und verändert wieder neu eingeführt. Jedes Unternehmen muss die Methoden auf seine eigenen Bedürfnisse hin anpassen. Das dauert. Methoden wie Scrum haben auch unsere Unternehmenskultur geändert. Wir arbeiten nun agiler und offener miteinander. Man muss jedoch aufpassen, dass Scrum nicht das Tagesgeschäft dominiert. Wir favorisieren daher inzwischen Lean Scrumban als einen pragmatischen Mittelweg. Wichtig ist, dass die Menschen im Unternehmen bereit für diese neuen Ansätze sind.

Neben Scrum taucht auch Design Thinking als eine Arbeitsmethode auf. Was halten Sie davon? Was ist der Unterschied zu Scrum?

Scrum ist eine Methode primär zur Softwareentwicklung. Ihre Grundprinzipien finden sich auch in anderen Innovationsmethoden wieder, die besser für Produktions- und Dienstleistungsunternehmen geeignet sind. Dazu gehört z. B. auch Design Thinking. In bunten Kreativlabors werden von interdisziplinären Teams in einem systematischen Prozess z. B. Produktfunktionalitäten auseinandergenommen, neu zusammengesetzt und getestet. Auch gänzlich neue Ideen werden so schrittweise in neue Produkte und Services überführt. In Deutschland bietet übrigens das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam gute Schulungen zu Design Thinking.

Wir bedanken uns für das Gespräch Herr Gunter.

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