Rhein-Ruhr-Talk

Dr. Christopher Mokwa, HELLA GmbH & Co. KGaA

HELLA - Digitalisierung in der Automobilbranche

Dr. Christopher Mokwa, Chief Digital Officer sowie Executive Vice President Corporate Strategy and M&A, HELLA GmbH & Co. KGaA, Lippstadt, im Gespräch mit unserem Netzwerk.

Herr Dr. Mokwa, Sie sind seit 2017 bei HELLA und dort seit dem Frühjahr 2019 auch Chief Digital Officer (neben Ihrer Verantwortung für Unternehmensstrategie sowie Fusionen & Übernahmen). Ist Ihr Unternehmen von der disruptiven Kraft der Digitalisierung betroffen?

Digitalisierung betrifft jedes Unternehmen und jede Branche, den einen früher, den anderen später.  Für HELLA ist Digitalisierung schon seit langem ein großes Thema, an dem wir konsequent arbeiten. Denn für uns ergeben sich hieraus vielfältige Chancen – angefangen bei neuen Produktangeboten bis hin zu innovativen Lösungen für Entwicklung und Produktion.

Welche Themen beschäftigen HELLA zusätzlich zur Digitalisierung?

Als global aufgestellter Automobilzulieferer mit rund 38.000 Beschäftigten und 7 Mrd. Umsatz bewegen uns daneben vor allem zentrale Trends wie „Elektromobilität“ und „automatisiertes Fahren“.  Vorteilhaft für uns ist, dass unser Geschäftsmodell dadurch keineswegs in Frage gestellt wird. Unsere Kernprodukte rund um Lichtsysteme und Elektronik werden vielmehr auch in Zukunft gefragt sein.

Was ist Ihre genaue Aufgabe als Chef-Digitalisierer von HELLA? Wie ist Ihr Team eingebettet in die Organisationsstruktur?

Wir initiieren und steuern für HELLA weltweit relevante digitale Themen über alle Geschäftsbereiche, Standorte und Regionen. In unsere Projektteams binden wir wo immer möglich operative Spezialistinnen und Spezialisten ein. Digitale Themen haben wir dabei in vier Kompetenzzentren gebündelt. Dazu gehören Innovation, Künstliche Intelligenz, Prozessdigitalisierung und Industrie 4.0. Im Prinzip arbeiten wir als „virtuelle Organisation“ mit funktionalen Berichtslinien in die einzelnen Bereiche. Organisatorisch sind wir dem Vorsitzenden der Geschäftsführung zugeordnet.

Welche spannenden digitalen Themen gibt es denn bei HELLA im Augenblick? Vielleicht können Sie uns konkrete Beispiele nennen?

Digitalisierung betrifft alle Geschäftsprozesse. Unser Ziel ist es, durch konsequente Digitalisierung noch schneller, kundenorientierter, kostengünstiger und qualitativ besser zu werden. So nutzen wir z. B. Kameras, Sensoren und Künstliche Intelligenz, um Schweißnähte in der Produktion von Elektronikkomponenten digital zu prüfen. Dadurch lässt sich der manuelle Inspektionsaufwand signifikant reduzieren. Das Internet der Dinge ist auch kein Neuland für uns. Beispielsweise weiten wir den Einsatz und die Vernetzung von Sensoren in unseren Produktionswerken kontinuierlich aus.  Auch auf der Produktseite spielt Digitalisierung eine große Rolle. Beispiel: digitales Licht. So können wir durch digitale Ansteuerung unserer Scheinwerfersystem beispielsweise blendfreies Fernlicht realisieren. Ein System aus Spezialkameras, Sensoren und KI-Software erkennt dabei die jeweilige Fahrsituation und ermöglicht die bestmögliche Lichtverteilung.

Wie verändern sich durch die Digitalisierung die Geschäftsmodelle in der Automobilwirtschaft?

Am Beispiel von Tesla sieht man, wohin die Entwicklung gehen könnte. Kunden können „over-the-air“ kostenpflichtige Extra-Leistungen hinzubuchen und Software-Updates durchführen. Hierdurch bieten sich neue Geschäftsmöglichkeiten sowohl für Automobilhersteller als auch -zulieferer. So könnte man z. B. in unsere Fahrzeugleuchten ab Werk die maximal mögliche Leistung einbauen, aber in der Basis-Ausstattung zunächst nur einen Teil für den Kunden freischalten. Weitere Funktionalitäten wie z. B. spezielles blendfreies Fernlicht können dann später per App vom Endkunden hinzugebucht werden. Ein anderes Beispiel ist unser Shake-Sensor, der Bewegungen am Fahrzeug misst und mithilfe von Algorithmen aktuelle Straßenzustände wie Nässe präzise erkennt. Aus diesen Daten können wir Informationen für eine Straßenzustandskarte ableiten und diese gemeinsam mit Partnern vermarkten.

Im digitalen Wandel nimmt die Innovationsgeschwindigkeit zu. Agilität ist das Gebot der Stunde. Wie organisieren Sie bei HELLA digitale Innovation?

Um unsere Agilität zu stärken, haben wir unter anderem Inkubatoren in Berlin und Shanghai. Dort arbeiten wir abseits des Tagesgeschäfts an digitalen Themen, z.B. an einer KI-basierten Software zur Gestaltung von Scheinwerfern. Generell arbeiten wir bei unseren Digitalthemen immer kerngeschäftsnah. Zudem investieren wir über unseren Capital Venture Arm in San Francisco in Tech-Startups. Kürzlich haben wir beispielsweise in das junge Unternehmen Oculii investiert. Wenn wir das Software-Knowhow von Oculii mit unserer starken Radarkompetenz verbinden, können wir uns in diesem Zukunftsfeld noch stärker aufstellen.

Digitalisierung ist ohne IT-Fachkräfte nicht zu möglich. Wie sichern Sie sich bei HELLA junge Digitalexpertinnen und -experten?

Zum einen versuchen wir durch innovative Formate wie „BitSTRICT – Embedded Revier“ Talente für HELLA zu gewinnen, insbesondere für unsere Standorte in NRW. Zudem haben wir durch unsere Innovations-Hubs in Berlin, San Francisco und Shanghai weltweiten Zugang zu Talenten. Hinzu kommt die Drivery in Berlin. Das ist ein von HELLA initiierter auf Mobilitätsthemen spezialisierter Coworking Space mit aktuell über 500 Mitgliedern. So können in der Drivery z.B. Industrieunternehmen ihre Digitaleinheiten aufbauen und vor Ort direkt mit hochinnovativen Start-Ups zusammenarbeiten. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter thedrivery.com.

Wir bedanken uns für das Gespräch Herr Dr. Mokwa.

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31.03.2020

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