Rhein-Ruhr-Talk

16.10.2019

Dr. Bastian Kornau, Becker + Partner, Dortmund

Unternehmensnachfolge – strategische und rechtliche Erfolgsfaktoren

Dr. Bastian Kornau, Partner Becker + Partner, Dortmund, im Gespräch mit mittelstand-rhein-ruhr.de

Herr Dr. Kornau, wie dringend ist die rechtzeitige Klärung der Unternehmensnachfolge?

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn schätzt, dass zwischen 2018 und 2022 bei rund 150.000 Unternehmen in Deutschland Nachfolgen zu klären sind. Die Entwicklung und Umsetzung einer Nachfolgestrategie ist keine alltägliche Unternehmeraufgabe. Sie ist in der Regel einmalig und komplex, da erb-, steuer- und gesellschaftsrechtliche sowie strategische, finanzielle, familieninterne und emotionale Aspekte unter einen Hut gebracht werden müssen. Viele fangen leider zu spät an, ihre Nachfolge zu klären, auch weil sie nicht loslassen wollen oder können und die Zeit dafür fehlt.

Was sind die Kernherausforderungen bei der Unternehmensnachfolge?

Zwei Ebenen sind dabei zu beachten. Zunächst ist die Frage zu klären, ob geeignete und willige Nachfolger/innen innerhalb der Familie zur Verfügung stehen. Rund 50 Prozent der Unternehmensnachfolgen werden familienintern geklärt. In der anderen Hälfte der Fälle erfolgt der Verkauf des Unternehmens an eigene Führungskräfte (Management-Buy-Out) oder an externe Personen (Management-Buy-In) oder an Unternehmen (Investoren, Wettbewerber). Wenn das Unternehmen aus sich selbst heraus eine gewisse „Tragfähigkeit“ besitzt kann im Einzelfall auch eine Stiftung eine passende Lösung sein. 

Zum anderen müssen bei der Unternehmensnachfolge die Anforderungen der Familie und des Unternehmens in Einklang gebracht werden. Hier bewegt man sich Spannungsfeld von Gerechtigkeit, Stabilität und Sicherstellung der Handlungsfähigkeit des Unternehmens. Letztlich geht es darum, einen vernünftigen und ausbalancierten Kompromiss zwischen den Ebenen „Familie“, „Eigentum“ und „Unternehmen“ zu finden und dann zwischen allen Beteiligten zu moderieren.

Welche Faktoren sind bei einer Nachfolge innerhalb der Familie zu beachten?

Grundsätzlich ist die Familie die Basis von Allem. Sämtliche Generationen und auch „unliebsame“ Familienstämme müssen bei einer Lösung berücksichtigt werden. Bei den Nachfolgemodellen stehen sich grundsätzliche Herangehensweisen gegenüber:

  • Beim Stammhaltermodell (auch Kronprinzmodell genannt) kann es nur eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger geben. Beim Stammesprinzip dagegen kann jeder zum Zuge kommen. Das Stammhaltermodell ist effektiv, vermeidet Streit auf der Gesellschafterebene und verhindert eine Anteilsaufsplittung. Die Konzentration auf einen Stammhalter birgt aber auch das Risiko, dass bei Fehlentwicklungen auf der Gesellschafterebene Korrektive fehlen. Zudem sind die weichenden Kinder abzufinden, wofür oftmals kein ausreichendes Vermögen vorhanden ist.
  • Beim Stammesprinzip sind die Chancen- und Risiken entsprechend umgekehrt. Gleichzeitig ist bei diesem Modell darauf zu achten, dass die Handlungsfähigkeit der operativen Führung gewährleistet ist und Differenzen zwischen den Gesellschaftern das Unternehmen nicht blockieren. Wenn nicht alle Kinder in der Geschäftsführung tätig sind, sollte sichergestellt werden, dass sie dennoch Spaß an ihrem „Gesellschafterdasein“ haben und Mindestausschüttungen bzw. –mitspracherechte haben. Die hinlänglich bekannten Fälle von Gesellschafterstreitigkeiten in Familienunternehmen zeigen zudem, wie wichtig im Streitfall klare Eskalations- und notfalls auch Auseinandersetzungsmechanismen etwa durch Hinzuziehung eines Beirats sind.

Wie wichtig ist die Übertragung des Unternehmens bereits zu Lebzeiten?

Ganz wichtig. Am besten fängt man ab dem 50. Lebensjahr an. Das Finden einer passenden Lösung und die Herstellung der Übergabefähigkeit des Unternehmens erfordert viel Zeit und ein frühzeitiger Beginn schafft Handlungsspielräume und ermöglicht eine nachhaltige Planung, die gerade auch wegen des immer komplexer werdenden Erbschaftssteuerrechts unabdingbar ist. Außerdem können die „Seniors“ auch bei lebzeitigen Übertragungen die Zügel in der Hand behalten und sukzessive und kontrolliert die eigentliche Unternehmeraufgabe überleiten. Mit Widerrufsrechten kann man sich zudem vor Fehlentwicklungen schützen, was gerade auch dann wichtig sein kann, wenn die Finanzverwaltung die steuerfreie Übertragung des Betriebsvermögens nicht im angestrebten Umfang anerkennt.

Was ist bei der Übertragung von Todes wegen zu beachten?

  • Mindestvoraussetzung für eine geordnete Übertragung von Todes wegen oder auch zur Abrundung der bereits lebzeitig eingeleiteten Übergabe ist ein maßgeschneidertes Testament. Lösungen von der Stange passen hier oft eben. Zudem muss das Testament im Einklang mit dem jeweiligen Gesellschaftsvertrag stehen. 
  • Das beliebte Berliner Testament passt in Unternehmerfamilien oft überhaupt nicht, da es steuerliche Nachteile haben kann und zu einem Auseinanderfallen der operativen Verantwortung im Unternehmen und der Gesellschafterstellung führen kann.
  • Außerdem ist ein „Notfallkoffer“ bei plötzlichem Tod Pflicht. Darin stehen z. B. alle wichtigen Zugangsdaten und Handlungsanleitungen. Für plötzlich auftretende schwere Krankheitsfälle ist eine Vorsorgevollmacht unabdingbar.

Wir bedanken uns für das Gespräch Herr Dr. Kornau.

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