01.07.2018

Reparaturkosten nach Autounfall

Markenwerkstatt oder freie Werkstatt?

© WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

Wenn Ihr Auto durch einen unverschuldeten Unfall beschädigt wurde, muss die KFZ-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers Schadenersatz leisten. Sie muss den Betrag erstatten, der erforderlich ist, um den ursprünglichen Zustand Ihres Fahrzeugs wiederherstellen zu lassen (vgl. § 249 BGB). Aber wie hoch genau ist dieser Betrag anzusetzen? Konkret: Wann haben Sie Anspruch darauf, die Kosten einer teureren Markenwerkstatt abzurechnen? Im folgenden die wichtigsten Grundsätze, unter anderem aus der Rechtsprechung des BGH.

Anspruch auch bei fiktiver Abrechnung

Zunächst einmal wichtig zu wissen: Der Schadenersatzanspruch besteht auch, wenn Sie Ihr Fahrzeug selbst reparieren oder auf die Instandsetzung verzichten. Maßgeblich für fiktive Abrechnung ist das Sachverständigengutachten oder ein Kostenvoranschlag einer Fachwerkstatt. Lediglich die Umsatzsteuer, die auf die Werkstattrechnung aufgeschlagen würde, steht Ihnen bei fiktiver Abrechnung laut Gesetz nicht zu (s. § 249 Abs. 2 BGB). Die tatsächliche Reparatur müssen Sie nur dann nachweisen, wenn die Kosten die zulässige Obergrenze von 130 % des Wiederbeschaffungswerts erreichen. Denken Sie daran: Zusätzlich ersetzt die Haftpflichtversicherung des Schädigers auch einen Wertverlust von in der Regel mindestens 10 %, den das Fahrzeug trotz Reparatur durch den Makel als „Unfallwagen“ erleidet (merkantiler Minderwert).

Anspruch auf Markenwerkstatt

Wenn das Fahrzeug nicht älter als drei Jahre ist, haben Sie in jedem Fall Anspruch in Höhe der Reparaturkosten einer Markenwerkstatt. Denn anderenfalls könnte die Inanspruchnahme von Gewährleistungsrechten, Herstellergarantien und Kulanzleistungen gefährdet sein. Soweit es sich nicht um Bagatellschäden handelt – als Grenze werden häufig 500 € bis 700 € genannt –, ist dazu ein Gutachten bzw. Kostenvoranschlag eines unabhängigen Kfz-Sachverständigen ratsam. Die Kosten trägt der Unfallverursacher. 

Ebenfalls Anspruch auf den Rechnungsbetrag einer Markenwerkstatt haben Sie, wenn das Fahrzeug älter als drei Jahre ist, aber bisher immer und regelmäßig durch eine Markenwerkstatt scheckheftgepflegt und repariert wurde. Denn auch hier können ja noch Garantien oder Kulanzleistungen bestehen, etwa für Korrosionsschutz (meist 10 Jahre), die durch die Reparatur in einer freien Werkstatt gefährdet wären.

Verweis auf freie Werkstatt

Handelt es sich um ein mindestens dreijähriges Auto, das bisher nicht vorschriftsmäßig in einer Markenwerkstatt gewartet worden ist, kann Sie der Versicherer des Unfallverursachers auf eine günstigere, nicht markengebundene Werkstatt verweisen. Voraussetzung ist, dass diese für Sie ebenso gut erreichbar ist und qualitativ gleichwertige, fachgerechte Leistungen inkl. der Verwendung von Originalteilen erbringen kann. Das muss der Versicherer insbesondere durch einen Kostenvoranschlag auf Basis des Sachverständigengutachtens plausibel machen.

copyright emivo GmbH

Unsere Empfehlung

Regionalpartner

Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH

Bernd M. Höke
Ruhrallee 9
44139 Dortmund

Fon: 0231 60008220
Fax: 0231 60008233

Drucken