26.11.2017

Welche Versicherung zahlt?

Wegeunfall

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Glatte Gehwege, Stolpersteine auf dem Parkplatz oder ein Unfall mit dem Auto oder Fahrrad – der Arbeitsweg kann es in sich haben. In der Regel ist nun die zuständige betriebliche Unfallversicherung in der Pflicht, die Behandlungskosten zu übernehmen. Doch so einfach ist das nicht. Voraussetzung: es handelt sich tatsächlich um einen Arbeits- bzw. Wegeunfall, und der Versicherte ist nicht in privatem Interesse unterwegs gewesen. Darüber wird öfter gestritten, denn die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung sind umfassender als die der Krankenversicherung.

Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung

In der gesetzlichen Unfallversicherung sind alle Beschäftigten pflichtversichert. Die Beiträge zahlt ausschließlich der Arbeitgeber an den für den Betrieb zuständigen Versicherungsträger: das ist entweder eine gewerbliche Berufsgenossenschaft oder (bei öffentlichen Arbeitgebern) eine öffentliche Unfallkasse. Ereignet sich ein Arbeitsunfall, so übernimmt der zuständige Versicherungsträger die Kosten für Heilbehandlung, Rehabilitation, gegebenenfalls Entschädigungen (Dienst-, Sach- und Barleistungen), Unfallrenten, Abfindungen, Beihilfen usw. Wird also der Unfall als privat eingestuft, muss der Verletzte schon eine gute private Unfallversicherung haben, um entsprechende Leistungen zu erhalten.

Was sind Wegeunfälle?

Wegeunfälle gehören zu den Arbeitsunfällen. Da sie sich nicht am Arbeitsplatz selbst ereignen, schaut der Unfallversicherungsträger genau hin, ob der Unfall als Wegeunfall anzuerkennen ist. Unstrittig als Wegeunfälle anerkannt sind solche auf dem direkten Weg von zu Hause zur Arbeit oder zurück oder auf dem direkten Weg zur Kantine oder zu einem Restaurant in der Mittagspause. Die Betonung liegt auf „direkt“ …

Streitpunkt Umwege

Strittig sind häufig Umwege, die der Verletzte gemacht hat. Hier muss der Verletzte plausibel machen, dass der Umweg im betrieblichen und nicht im privaten Interesse war. Nach aktueller Rechtsprechung sind zum Beispiel Wegeunfälle bei folgenden Umwegen anerkannt:

  • Umweg, um ein Kind während der Arbeitszeit unterzubringen: Der Arbeitnehmer bringt auf dem Weg zur Arbeit sein Kind mit dem Auto in die Kita oder in die Schule. Dafür ist ein Umweg nötig.
  • Umweg bei Fahrgemeinschaften: Der Umweg ist regelmäßig nötig, um alle Mitfahrer der Fahrgemeinschaft aufzunehmen.
  • Umweg bei Umleitungen: Das sind Umwege, die wegen Bauarbeiten auf der Stammstrecke oder wegen einer im Verkehrsfunk empfohlenen Stauumfahrung nötig werden.
  • Umweg wegen schnellerer Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes. Im Einzelfall kann es sein, etwa wegen regelmäßigen hohen Verkehrsaufkommens, dass der Weg über einen Umweg schneller ist als auf direktem Wege.

Dagegen können sogar kleine Abstecher den Versicherungsschutz gefährden, etwa ein Unfall beim Einbiegen auf die Linksabbiegerspur, um im Baumarkt an der Stammstrecke rasch etwas mitzunehmen. Der Versicherungsschutz gilt erst wieder, wenn der Beschäftigte nach dem privaten Umweg auf die Stammstrecke zurückgekehrt ist. Und dies muss spätestens nach zwei Stunden der Fall sein.

Im Streitfall kann es um viel Geld für den verletzten Arbeitnehmer gehen. Schalten Sie bei strittigen Wegeunfällen einen im Versicherungsrecht erfahrenen Anwalt ein. Er kann alle Schritte von der Unfallmeldung bis zur Begleitung im Verfahrensfall für Sie übernehmen.

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