29.09.2018

Lügen und Lücken haben kurze Beine

Gesundheitsangaben für Versicherungen

© DDRockstar - Fotolia.com

Selbstständige und auch zahlreiche Arbeitnehmer sichern Risiken rund um Leben, Krankheit und Arbeitskraft durch private Versicherungen ab. Dazu müssen sie vor Abschluss des Vertrages, aber auch bei manchen Änderungen, eine Gesundheitsprüfung durchlaufen. Als Versicherungsnehmer sollten Sie stets wahrheitsgemäß und vollständig antworten, sonst riskieren Sie im Ernstfall die Versicherungsleistung. Lesen Sie mehr.

Gesundheitsprüfung dient der Risikoeinschätzung

Nicht nur private Krankenversicherungen, sondern auch Risikolebens-, Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung ermitteln über das Instrument der Gesundheitsprüfung, welche gesundheitlichen Risiken der Vertragspartner mitbringt. Danach bestimmen sie die Höhe der Prämie und des Leistungsumfangs. Gegebenenfalls lehnen sie den Vertragsabschluss oder eine Änderung des bestehenden Vertrages ganz ab. Aus wirtschaftlichen Gründen ist das nachvollziehbar.

Vorvertragliche Anzeigepflicht

Beim Vertragsabschluss werden Sie aufgefordert, detaillierte Gesundheitsangaben zu machen und insbesondere Vorerkrankungen anzuzeigen. Diese sog. „vorvertragliche Anzeigepflicht“ ist im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) normiert. Dort heißt es: Der Kunde hat „bis zur Abgabe seiner Vertragserklärung die ihm bekannten Gefahrumstände, die für den Entschluss des Versicherers, den Vertrag mit dem vereinbarten Inhalt zu schließen, erheblich sind und nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat, dem Versicherer anzuzeigen“ (§ 19 VVG).

Lügen und Lücken haben hier kurze Beine: Der Versicherer prüft Ihre Angaben nämlich im Versicherungsfall sehr genau. Haben Sie nicht wahrheitsgemäß und vollständig geantwortet, droht Ihnen Leistungskürzung, schlimmstenfalls Verweigerung der Leistung und Kündigung. Das kann Sie und Ihre Angehörigen in den finanziellen Ruin treiben.

So antworten Sie richtig und vollständig

  • Beantworten Sie die Fragen genau so, wie sie der Versicherer in Textform abfragt. Sie dürfen sich also auf den abgefragten Zeitraum, etwa „die letzten fünf Jahre“, oder „ärztlich behandelte“ Erkrankungen und Leiden beschränken. Was vorher lag oder nicht ärztlich behandeln wurde, müssen Sie nicht angeben.
  • Beantworten Sie die Fragen in Absprache mit Ihren behandelnden Ärzten (Hausarzt und ggf. Fachärzte). So stellen Sie sicher, dass Ihre Angaben mit den relevanten Diagnosen in der Patientenakte übereinstimmen. Das ist wichtig, weil der Versicherer im Leistungsfall die Patientenakten anfordern darf. Lesen Sie auch selbst die Patientenakte und versuchen Sie, alle abgerechneten Diagnosen nachzuvollziehen. Klären Sie Fragen mit dem Arzt und veranlassen Sie, dass Fehler korrigiert werden.
  • Entbinden Sie durch Ihre Unterschrift im Antrag nicht pauschal alle Ärzte von der Schweigepflicht. Warten Sie lieber, bis die Versicherung nachfragt, und halten Sie dann Rücksprache mit Ihrem Arzt.
  • Bewahren Sie alle Unterlagen und Korrespondenz auf, die Sie für die Gesundheitsprüfung verwendet haben.

Gesundheitsprüfung bei Vertragsänderung

Der Versicherer kann auch eine erneute Gesundheitsprüfung fordern, wenn der Kunde eine Vertragsänderung beantragt, etwa eine Absenkung des Selbstbehalts in der privaten Krankenversicherung oder eine Erhöhung der Versicherungssumme. Wahrheitsgemäße und vollständige Angaben sind hier ebenfalls unerlässlich. Orientieren Sie sich an dem Vorgehen bei erstmaligem Versicherungsabschluss.

Falls Sie wegen bestehender Vorerkrankungen unsicher sind oder es um besonders wichtige Leistungen geht, lassen Sie sich bei der Gesundheitsprüfung beraten.

copyright emivo GmbH

Unsere Empfehlung

Regionalpartner

Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH

Bernd M. Höke
Ruhrallee 9
44139 Dortmund

Fon: 0231 60008220
Fax: 0231 60008233

Drucken