26.04.2018

Wenn die Versicherung weniger zahlt

Grobe Fahrlässigkeit in der Kfz-Versicherung

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Autofahren mit Promille, Telefonieren ohne Freisprechanlage, Parken mit steckendem Zündschlüssel – das sind nur einige Beispiele für grobe Fahrlässigkeit. Entsteht daraus ein Unfallschaden am eigenen Fahrzeug oder ein Diebstahl, so droht eine Kürzung der Erstattungsleistung der Kaskoversicherung.

Vor allem die Vollkasko ist betroffen

In den Allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung 2015 heißt es unter dem Abschnitt Voll- und Teilkaskoversicherung: „Bei grob fahrlässiger Herbeiführung des Schadens sind wir berechtigt, unsere Leistung in einem der Schwere Ihres Verschuldens entsprechenden Verhältnis zu kürzen.“ (Punkt A.2.9 nach § 81 Abs. 2 VVG). Das Risiko des (Mit-)Verschuldens durch grobe Fahrlässigkeit stellt sich vor allem in der Vollkaskoversicherung, weil diese selbst verursachte Unfallschäden abdeckt (neben Vandalismus). Aber auch Teilkaskoleistungen können durch grobe Fahrlässigkeit gekürzt werden, vor allem bei Diebstahl (neben Brand und Explosion, Naturgewalten, Glasbruch, Kurzschluss, Wildunfällen mit Haarwild).

Was bedeutet „grobe Fahrlässigkeit“?

Die Straßenverkehrsordnung fordert von jedem Verkehrsteilnehmer ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Auch der Autofahrer muss sich so verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird (§ 1 StVO).

Grobe Fahrlässigkeit liegt nach ständiger Rechtsprechung des BGH vor, wenn der Versicherungsnehmer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt (vgl. § 276 Abs. 2 BGB) in besonders schwerer Weise außer Acht lässt. Der Verstoß gegen die Pflichten muss im jeweiligen Einzelfall objektiv schwerwiegend und subjektiv nicht entschuldbar sein. Grob fahrlässig handelt z.B., wer grob fehlerhaft oder grob verkehrswidrig handelt, obwohl er persönlich zur Einsicht in sein riskantes Verhalten fähig war. Ein Augenblicksversagen ist jedoch keine grobe Fahrlässigkeit und begründet daher keine Leistungskürzung.

Beispiele aus der Rechtsprechung

  • Alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit
  • Nachlässiger Umgang mit Fahrzeugschlüssel oder Fahrzeugbrief (z.B. Zurücklassen im Handschuhfach)
  • Ausweichen vor einem Hasen
  • Leichtfertige Fahrweise, z.B. erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen, Telefonieren ohne Freisprechanlage, Zurückbeugen zu schreiendem Kind auf der Rückbank, Überfahren einer roten Ampel oder eines Stoppschildes
  • Übermüdung, wenn vorherige Anzeichen vorlagen
  • mangelnde Sicherung des Fahrzeugs, etwa auf abschüssigem Gelände oder durch Steckenlassen des Zündschlüssels

Bei der Bewertung des Fahrerverhaltens als grobe Fahrlässigkeit kommt es immer auf die konkreten Umstände des Einzelfalls an. Daraus wird dann eine Erstattungsquote festgesetzt, zum Beispiel 50 % oder 25 %. Prüfen Sie jetzt schon, wie grobe Fahrlässigkeit in den Bedingungen Ihrer Kaskoversicherung behandelt wird. 

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