03.03.2018

Was im Schadensfall passiert

Mehrfachversicherung

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Doppelt versichert hält besser – so könnte man meinen. Das stimmt aber nicht generell. Im Schadensfall darf man etwa mit den Entschädigungen von zwei oder mehr Versicherern keinen „Gewinn“ erzielen. Lesen Sie, wie die Versicherer mit „Mehrfachversicherungen“ umgehen und was Sie tun können.
Meistens entsteht eine Mehrfachversicherung unabsichtlich, etwa indem ein Paar zusammenzieht und vergisst, eine Versicherung zu kündigen. Es gibt aber auch Fälle, in denen ein Kunde absichtlich eine zweite Versicherung abschließt und die erste verschweigt, um so von zwei Schadensersatzleistungen zu profitieren.

Was bedeutet Mehrfachversicherung?

Die Mehrfachversicherung, früher „Doppelversicherung“, ist vor allem bei Schadens- und Unfallversicherungen problematisch. Sie ist im Versicherungsvertragsgesetz (§ 78 Abs. 1 VVG) definiert.

  • Zunächst muss ein „Interesse gegen dieselbe Gefahr“ bei mehreren Unternehmen versichert sein. Beispiel wäre etwa der Schutz gegen einen Vermögensschaden durch einen Wohnungseinbruch, für den zwei Hausratversicherungen bestehen.
  • Darüber hinaus müssen die Versicherungssummen zusammen den Versicherungswert, zum Beispiel des Hausrates, übersteigen, oder die Entschädigungsbeträge müssen zusammen höher sein als der Gesamtschaden, hier: des Einbruchs.

Eine solche Mehrfachversicherung hätte im Schadensfall den unerwünschten Effekt, dass der Versicherte kumuliert mehr Geld von beiden Versicherungen erhielte, als der Schaden kostet. Das würde dem Zweck einer Versicherung widersprechen und wäre gegen das Interesse der Risikogemeinschaft der Versicherten.

Was passiert bei Mehrfachversicherung?

Entsteht ein mehrfachversicherter Schaden, so haften die Versicherer nur bis zur Gesamtschadenshöhe, und dies anteilig (§ 78 VVG). Gut für den Versicherten: Die Versicherer haften als Gesamtschuldner, das heißt, dass im Einzelfall nur einer den Gesamtbetrag zahlt und dann im Innenausgleich den Anteil des zweiten Versicherers von diesem zurückfordert.

Im Versicherungsvertrag kann aber auch eine andere Lösung vereinbart sein, z.B. eine Subsidiaritätsklausel. Diese regelt dann, welcher Versicherer vorrangig zu leisten hat. Kollidieren zwei solche Klauseln, indem sie sich gegenseitig aufheben, so greift wiederum die gesamtschuldnerische Haftung nach Gesetz.

Manchmal landen aber auch Betrugsfälle vor Gericht. Wenn das Gericht dem Versicherungsnehmer nachweisen kann, dass er eine bisher verschwiegene Mehrfachversicherung abgeschlossen hat, um überhöhten Schadensersatz zu erwirtschaften, ist jeder in dieser betrügerischen Absicht geschlossene Vertrag nichtig (§ 78 abs. 3 VVG). Die Folge: der Versicherer muss weder leisten noch die erhaltenen Prämien erstatten. Im schlimmsten Falle sind beide Verträge nichtig.

Fazit für Versicherungsnehmer: Mehrfachversicherungen sind vor allem in der Schadens- und Unfallversicherung problematisch. Lesen Sie die Vertragsklauseln genau und beantworten Sie die Fragen des Versicherers nach anderweitig bestehenden Verträgen sorgfältig.

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