Wirtschaft schlägt Alarm

Energiekrise

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Die Forderungen der USA und EU-Spitze nach einem vollständigen Gas- und Öl-Embargo gegen Russland als eine weitere Sanktion für den Einmarsch in die Ukraine nehmen zu. Deutschland bremst noch, denn für die heimische Wirtschaft und Bevölkerung steht einiges auf dem Spiel. So sieht die Lage aus.

Abhängigkeit von Russland

Der Gasverbrauch in Deutschland betrug 2021 rund 995 Terrawattstunden. Daran hatte die Industrie einen Anteil von 36,9 Prozent. Haushalte verbrauchten 30,8 Prozent, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen 12,8 Prozent, Gaskraftwerke 12,6 Prozent und Fernwärme 6,7 Prozent. Woher kommt nun unser Gas? 2021 kam es zu 52 Prozent aus Russland, zu 30 Prozent aus Norwegen und zu 8 Prozent aus den Niederlanden. Energieunabhängigkeit sieht anders aus.

Beim Öl sieht die Lage diversifizierter aus. 2020 betrug der Ölverbrauch in Deutschland 96,2 Mio. Tonnen Öl. 35 Prozent davon kamen aus Russland, 12 Prozent aus Norwegen, 8,5 Prozent aus Libyen, 8 Prozent aus Kasachstan, 7,5 Prozent aus Großbritannien, 6,4 Prozent aus Nigeria, 4,6 Prozent aus den USA, 3,6 Prozent aus dem Irak und 1,7 Prozent aus Saudi-Arabien. Durch jüngste politische Bemühungen soll der Anteil des russischen Öls auf 12 Prozent gesunken sein.

Mittelstand reagiert

Vor allem die produzierenden Unternehmen in Deutschland warnen vor den negativen Folgen eines Energie-Embargos. Wenn Gas und Öl fehlen, dann müssen Produktionsanlagen stillgelegt werden. Die Zahl der Kurzarbeiter und Arbeitslosen dürfte dann steigen. Die Bundesbank rechnet für diesen Fall mit einem Rückgang des BIP um 5-Prozentpunkte. Kommt es nur zu Verknappungen, werden die Energiepreise drastisch weiter steigen. Diskutiert werden schon Versteigerungen von knapper Energie. Auch sind Verteilungskämpfe zwischen den Branchen und zwischen Unternehmen und Privathaushalten zu erwarten. Wer für den Frieden Energie sparen soll, ist trotz klarer Notfallpläne noch nicht ausgemacht.

Wie eine Befragung des Mittelstandsverbandes ZGV unter 42.000 Unternehmen zeigt, hat diese Entwicklung große Teile des Mittelstands kalt erwischt. Nur 2 Prozent der Befragten haben ihren Energiebezug über mehr als drei Jahre gesichert. 58 Prozent haben immerhin Laufzeiten von ein bis drei Jahren, 12 Prozent von maximal zwölf Monaten. 54 Prozent gaben an, zukünftig mehr für ihre Energieeffizienz tun zu wollen. Das ifo-Institut kommt in einer Befragung für die Stiftung Familienunternehmen zu ähnlichen Ergebnissen. 45 Prozent der 1.109 befragten Unternehmen wollen ihre bisherigen Energieträger austauschen und regenerative Energie einsetzen.

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    Politische Optionen

    Das ist alles lobenswert, dürfte aber in der akuten Krise wenig helfen, da die Zeit drängt. Gefragt sind jetzt kurzfristig wirkende Maßnahmen auf der Bundesebene. Die Politik hat sich mit ihrer Energiewende und dem gleichzeitigen Ausstieg aus Kohle- und Kernkraftwerken, ohne dass es schon eine stabile neue Energie-Infrastruktur gibt, selbst in die Bredouille gebracht. Mögliche Lösungen wären neben dem schnellen Ausbau regenerativer Energiequellen:

    • Laufzeitverlängerung der noch verbliebenen Kernkraftwerke, die eigentlich Ende 2022 vom Netz gehen sollen.
    • Reaktivierung stillgelegter Kohlekraftwerke, sofern es technisch möglich ist, und Ausstattung mit modernen CO2-Ausscheidern.
    • Intensivierung des Braunkohletageabbaus und Zulassung auch von Gas-Fracking in Deutschland, wenn die umweltpolitischen Bedenken ohnehin schon gefallen sind und teures US-Fracking-Gas akzeptiert ist.
    • Langfristig Wiedereinstieg in klimaneutrale Kernkraftwerke der vierten Generation, die auch alte Brennstäbe in deutschen Endlagern wiederverwerten können.

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