Wohin führt die Krise?

Inflation

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Eine Krise löst die andere ab. Während die Corona-Maßnahmen weitgehend abgeschafft wurden, frisst sich die Inflation so allmählich bis zum Salatblatt durch. In den Supermärkten sind die Preise kräftig gestiegen. Gleichzeitig gibt es neue Lieferengpässe bei Material und Lebensmitteln. Unternehmer/innen müssen sich daher fragen, wie das geschehen konnte und wie es weitergeht. Jeder muss für sich ein Krisenszenario entwickeln und sich dann darauf unternehmerisch vorbereiten. In jeder Branche sind die Bedingungen allerdings anders. So profitiert die deutsche Exportwirtschaft sogar vom derzeit schwächelnden Euro. Auch die deutsche Automobilwirtschaft erhöht trotz sinkender Verkaufszahlen ihre Gewinne, weil sie satte Preiserhöhungen durchsetzen kann.

Inflationszahlen

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im März 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,3 Prozent gestiegen, in der Eurozone im Schnitt um 7,5 Prozent, bei unseren Nachbarn in den Niederlanden sogar um 12,3 Prozent. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass die Verbraucherpreise nach einem Verbraucherpreisindex gemessen werden, der die tatsächliche Inflation tendenziell zu niedrig ausweist. Der Begriff Inflation kommt vom lateinischen Wort „inflare“ und heißt „aufblähen“. Inflation haben wir immer dann, wenn die Geldmenge stärker steigt als die Gütermenge. Und das tut sie seit der Finanzkrise 2008 in einem erschreckenden Ausmaß. Jeder spürt auch, dass die Preise stärker steigen als im offiziellen Preisindex ausgewiesen. Bei Aktien, Immobilien und Energie sind die Preise in den letzten Jahren geradezu explodiert. Nun erfasst es auch die Lebensmittel. Und es ist nicht alleine der Ukraine-Krieg dafür verantwortlich. Preissteigerungen waren auch vorher da. Es ist auch die EZB.

Geldmengenausweitung

Der frühere Chef des ifo-Instituts Professor Hans-Werner Sinn hat die Zusammenhänge der Inflationsgefahr in seinem neuen Buch „Die wundersame Geldvermehrung“ im Detail und sehr anschaulich dargestellt. Grundlage allen Übels ist die extreme Ausweitung der Geldmenge durch die EZB, die sich in den letzten zwei Jahren der Corona-Krise noch beschleunigt hat. Durch verschiedene Programme zum Ankauf von Staatsanleihen – verharmlosend als „mengenmäßige Erleichterung“ (Quantitative Easing) genannt - beträgt der Geldüberhang in der Eurozone mittlerweile rund fünf Billionen Euro. Hinzu kommt die anhaltende Nullzinspolitik der EZB, die die hochverschuldeten südeuropäischen Staaten über Wasser hält, aber vor allem die deutschen Sparer indirekt enteignet. Kein Wunder, dass der neue Bundesbank-Präsident Joachim Nagel jüngst eine rechtzeitige geldpolitische Gegensteuerung anmahnte. Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber sekundierte, in dem er eine rasche Änderung des derzeitigen EZB-Kurses forderte. 

Umlaufgeschwindigkeit

Nach Auffassung von Hans-Werner Sinn hat die Geldflut die Realmärkte bisher noch nicht in so einem starken Ausmaß erreicht, weil viel von dem neuen Geld vor allem auf deutschen Bankkonten gehortet wird. Die Bundesbürger haben nach Angaben der Deutschen Bundesbank rund drei Billionen Euro an Bargeld sowie Sicht- und Tagesgeldeinlagen. Hinzu kommen noch rund 600 Milliarden Euro an Sparguthaben. Sollte aber die Ausgabenfreude nach dem Ende der Corona-Beschränkungen Ende März auch aufgrund zunehmender Inflationserwartungen steigen, besteht die Gefahr einer zweistelligen Superinflation. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird dann zunehmen. 

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Verstärker der Inflation

Man kann der EZB den Großteil dieser Entwicklung, aber nicht alles in die Schuhe schieben. Die Inflation wird nicht nur vom Geldüberhang (Nachfrage), sondern auch von einer Verknappung der Angebote und von weiteren Verstärkern angeheizt. So sind die Erzeugerpreise im März 2022 um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das ist der höchste Wert seit 1949. Die Importpreise waren im Februar um 26 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Fällt der Euro gegenüber dem Dollar, dann steigen die Importpreise. Weitere Inflationstreiber sind die steigenden Energiepreise, Lohn-Preis-Spiralen (Mindestlohn plus 25 Prozent), wieder gestörte Lieferketten sowie Produktionsstopps in der Ukraine und in Russland.

Summa Summarum

Kommt es zu einer Superinflation mit zweistelligen Raten, haben große Teile der Bevölkerung immer weniger verfügbares Einkommen für den Konsum. So ist es nicht verwunderlich, dass das HDE-Konsumbarometer im März mit 89,56 % auf ein Allzeittief gefallen ist. Andererseits gibt es aber noch eine breite und gut begüterte Mittelschicht, die das Leben nach der harten Corona-Zeit vermutlich erst einmal genießen will. Bei den Unternehmen, die von den steigenden Energie- und Materialpreisen betroffen sind, werden Kostensenkungsprogramme greifen. Die Auswahl Ihrer Zielgruppe mit einer möglichen Angebotsanpassung wird also neben Maßnahmen zur Kompensation der eigenen Beschaffungsprobleme wichtig.

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