Gefahr für Deutschlands Schlüsselindustrie?

Mobilität im Wandel

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Die Automobilindustrie ist in Deutschland mit einem Umsatz von über 430 Mrd. Euro und mehr als 800.000 Beschäftigten die zentrale Branche, gefolgt vom Maschinenbau (250 Mrd. Euro), Chemie (200 Mrd. Euro), Ernährung (185 Mrd. Euro) und Elektrotechnik (180 Mrd. Euro). Doch in letzter Zeit gerät einiges ins Rutschen. Die politisch forcierte Elektromobilität setzt auch die auf Verbrenner fixierten Zulieferer unter Druck. Hinzu kommen die aktuellen Störungen in den Lieferketten und der digitale Wandel.

Neuzulassungen sinken

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden im Oktober 179.683 PKWs neu zugelassen. Das sind 35 Prozent weniger als im Vormonat. Seit Anfang 2021 wurden rund 2,2 Mio. neue PKWs registriert, rund 5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zulegen konnten nur Wohnmobile und Oberklasse-Wagen.

Lieferengpässe

Durch den weltweiten Chip-Mangel kommt es auch in der deutschen Automobilwirtschaft zu Lieferengpässen, die zu temporären Werksschließungen und Kurzarbeit führen. Dadurch steigen die Wartezeiten und in der Folge knappheitsbedingt die Preise für Neuwagen. Zusammen mit sinkenden Personalkosten und staatlichen Zuschüssen haben diese Entwicklungen zu steigenden Gewinnen und Dividendenausschüttungen der großen Automobilhersteller geführt. Der Ärger darüber flackerte jedoch nur kurz in der Presse auf.

Die aktuellen Lieferengpässe bei Neuwagen haben in den letzten Monaten dann zunächst den Gebrauchtwagenmarkt belebt. In der Zwischenzeit ist aber auch dieser Effekt verpufft. So sind im Oktober die Preise für Gebrauchtwagen wieder gesunken. In den ersten 10 Monaten dieses Jahres wurden mit 5,7 Mio. Gebrauchtfahrzeugen im Vorjahresvergleich 3,4 Prozent weniger verkauft.

Vormarsch der E-Autos

Gestiegen ist dagegen die Zahl der Elektrofahrzeuge. Ihr Anteil an den Neuzulassungen ist im Oktober schon auf 17,1 Prozent (E-Autos) und 13,3 Prozent (Plugin-Hybride) gestiegen. Die massiven öffentlichen Subventionen zeigen offenbar Wirkung, auch bei den Zulieferern, von denen immer mehr in Schwierigkeiten geraten und Insolvenz anmelden müssen. Der Veränderungsdruck für die von Erfolg verwöhnte Branche kommt noch von zwei weiteren Seiten.

Neue Alternativen

Die junge Stadtbevölkerung kauft oder least immer weniger Autos. Ihnen fehlt zunehmend das Geld und die Freude am eigenen Auto. Hinzu kommt das schlechte ökologische Gewissen. Das führt zu neuen Angeboten wie Carsharing und Elektrofahrräder. In den ländlichen Regionen sieht die Welt aber noch traditioneller aus.

Digitales Auto

Der größte Veränderungsdruck in der Automobilbranche geht jedoch von der Digitalisierung aus. Das Auto wird immer mehr zu einem rollenden Computer, vor allem wenn es zukünftig noch autonom fahren kann. Die digitale Technologie wird immer wichtiger. Autos werden zunehmend in Vollausstattung gebaut. Upgrades werden dann einfach dazugebucht und digital freigeschaltet. Auch Updates erfolgen wie bei Tesla schon heute „over-the-air“. Digitale Autos merken sich zudem die Vorlieben der Fahrer und bieten personalisierten Service. Das Auto der Zukunft ist vollgepackt mit Sensoren, Hochleistungskameras (auch im Innenraum) und Künstlicher Intelligenz.

Es bleibt somit spannend, ob sich die deutsche Automobilindustrie in diesem globalen Wandel gegenüber ausländischen Wettbewerbern behaupten kann. Konkurrenz wird nicht nur von den klassischen Herstellern gefürchtet, sondern auch von den Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley (z. B. Apple) sowie neuen chinesischen Anbietern.

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