04.10.2018

Weitreichende Folgen werden oft unterschätzt

Betriebsrentenstärkungsgesetz

Pixabay.com

Anfang 2018 ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) in Kraft getreten. Damit verbunden sind nicht nur gute Absichten der Politik. Arbeitgebern und Arbeitnehmern bietet es verschiedenste interessante Möglichkeiten der Abgaben-Gestaltung sowie eine Verbesserung der Absicherung im Alter. Denn mit dem BRSG soll die Attraktivität der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen „gestärkt“ werden. Doch welche konkreten To-dos haben Firmen und was geschieht, wenn sie sich nicht mit dem Thema beschäftigen?

„Klar ist, dass sich jedes Unternehmen mit der neuen Situation auseinandersetzen muss. Ein ‚weiter so’ kann es nicht geben“, so Markus Rosiny, Vorsorge-Experte bei LEUE & NILL. Das Thema wirft allerdings Fragen auf. Denn: Wer hat wann was zu beachten und ab wann gelten welche Regelungen? „Zu unterscheiden sind zunächst tarifgebunde von nicht tarifgebunden Unternehmen“, erläutert Rosiny. Für Diejenige, die einem Tarifvertrag unterliegen, wird das zu Anfang 2018 neu eingeführte „Sozialpartnermodell“ in den Focus rücken. Es gibt den Tarifvertragsparteien neue Möglichkeiten, Regelungen rund um die bAV im Rahmen von Tarifverträgen zu vereinbaren. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Neuregelung ist die generelle Umkehrung des Weges, an der zusätzlichen Vorsorge teilzunehmen. Statt sich aktiv darum kümmern zu müssen, wie es heute der Fall ist, wandeln Arbeitnehmer zukünftig automatisch einen Teil ihres Gehaltes um, wenn sie einen Arbeitsvertrag unterzeichnen und nicht aktiv widersprechen. Diese Systemumkehr wird als „Opting-out“-Modell bezeichnet. Wann dies alles zum Tragen kommt, wird allerdings erst in den kommenden Tarifverhandlungen festgelegt. Einen exakten Zeitpunkt dafür zu nennen, ist entsprechend schwierig.

Dringender Handlungsbedarf für nicht tarifgebundene Betriebe

Anders sieht es für nicht tarifgebundene Unternehmen aus. „Für sie besteht ab dem 1. Januar 2019 definitiv Handlungsbedarf“, warnt der Experte. Denn dann ist der Arbeitgeber beispielsweise verpflichtet, seine Mitarbeiter finanziell zu unterstützen, wenn diese eine bAV in Anspruch nehmen und der Arbeitgeber so Sozialversicherungsbeiträge einspart. Bei Neuzusagen ab Anfang 2019 ist er verpflichtet, 15 Prozent des Umwandlungsbetrages beizusteuern. Bei bestehenden Zusagen muss der gleiche Prozentsatz ab Anfang 2022 aufgebracht werden. Hinzu kommen diverse weitere Änderungen wie einer Erhöhung der steuerlichen Förderung. Dies wirkt sich insbesondere für Besserverdiener aus.

Ist-Analyse notwendig

Zusätzlich zu den genannten Änderungen gibt es weitere Regelungen und Sonderfälle, die beachtet werden müssen. Rosiny, Betriebswirt für betriebliche Altersversorgung, dazu: „Da es eine Vielzahl an Variablen gibt, kommt kaum ein Unternehmen darum herum, eine Bestandsanalyse der eigenen ‚bAV-Situation’ durchzuführen. Das Ergebnis muss im Anschluss mit den neuen Vorgaben des BRSG abgeglichen werden, um festzustellen, wo Änderungsbedarf besteht. Daraus leitet sich dann ab, ob und wie reagiert werden muss. Wer damit jedoch erst im Dezember 2018 anfängt oder Regelungen aus Unwissenheit missachtet, bezahlt im schlimmsten Fall Lehrgeld.“ Als ein konkretes Beispiel gibt der 51-Jährige das Thema „freiwillige Leistungen des Arbeitgebers“ an. Denn diese werden nicht automatisch angerechnet. „Zahle ich meinen Mitarbeitern bereits heute einen Zuschuss zu dessen bAV und kümmere mich nicht weiter um die Änderungen, kommen die gesetzlich festgelegten 15 Prozent noch einmal drauf“, warnt Rosiny. Sein Rat: „Unternehmen sollten die Ist-Analyse der eignen bAV-Regelungen so schnell wie möglich angehen und auf professionelle Hilfe bei Bestandsaufnahme und der Umsetzung vertrauen.“

Regionalpartner

LEUE & NILL GmbH + Co.KG

Christian Boss
Hohenzollernstr. 2 - 6
44135 Dortmund

Fon: +49 231 5404-0

Mitglied im Netzwerk werden

Drucken