27.08.2018

Andere Länder andere Sitten – Produkthaftungsrisiken in den USA

Produkthaftung

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Nun also Strafzölle – Deutsche Unternehmen haben es aktuell nicht leicht im US-Geschäft. Ob „Dieselgate“ oder Kartellabsprachen – deutsche Unternehmen stehen immer wieder im Fokus von Gerichtsprozessen oder (milliardenschweren) Vergleichen in den USA. Doch wie kommt es dazu?

Hauptgrund ist das amerikanische Produkthaftungsrecht. Danach kann jedes Unternehmen einer Produktions- oder Vertriebskette in Haftung genommen werden. Die meisten großen Konzerne sorgen mit Rücklagenbildungen für solche Situationen vor. Doch auch kleine und mittelständische Unternehmen werden verklagt. Für sie geht es dann häufig ums nackte Überleben. Die Risiken können allerdings minimiert werden.

Wie in Deutschland besteht in den USA eine Haftung für Herstellungs-, Produktbeobachtungs-, Konstruktions- und Instruktionsfehler. Allerdings werden in den Vereinigten Staaten besonders bei der Instruktion höchste Anforderungen gestellt. Fehlende Sicherheitshinweise oder fehlerhafte Betriebsanleitungen sind deshalb der häufigste Grund für Klagen. So kommen auch bei einwandfreien Produkten hohe Schadensforderungen zusammen.

Und egal wie der Rechtsstreit ausgeht – in den USA verliert der Beklagte in jedem Fall. Denn durch den „American rule of costs“ trägt jede Partei die eigenen Prozesskosten.

Hinzu kommen die als „class actions“ bekannten Sammelklagen. Sie treiben einen Streitwert schnell in die Höhe, da einzelne Forderungen addiert werden. Bekommt ein Kläger recht, liegen die ihm in den USA zugesprochenen Schadensersatzansprüche meistens deutlich über den hiesigen. Denn neben den „direct damages“ (Schäden die direkt aus dem Produktfehler herrühren) und den „consequential damages“ (Folgeschäden) gibt es sogenannte „punitive damages“. Dieser Strafschadenersatz beträgt oft ein Vielfaches des kompensatorischen.

Kommt es zum Prozess, folgt ein weiteres kaum kalkulierbares Risiko: die „Jury“.

Doch was gibt es für Lösungen? Grundsätzlich zwei: Fehlervermeidung und Haftungsverlagerung.

Vermeidung:
- Immer eine Risiko- und Gefährdungsanalyse durchführen.
- Einfache Montage, Nutzung und Wartung sicherstellen.
- Gebrauchsanleitungen simpel halten, Warnhinweise und Werbungen den hohen Anforderungen anpassen.
- Belegen, dass man als Hersteller von der Konstruktion bis zum Vertrieb alles getan hat, um Schäden zu vermeiden.

Außerdem muss eine passgenaue Produkthaftpflichtversicherung abgeschlossen werden, die explizit US-Exporte umfasst. Im Regressfall außerdem immer den Versicherungsschutz von Zulieferern und Subunternehmern prüfen und sie in die Haftung nehmen.

Die eigenen US-Exporte versicherungstechnisch abzusichern ist eine vergleichsweise teure Angelegenheit, da der Prämiensatz für das US-Geschäft in der Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung um ein vielfaches höher ist, als der für den Rest der Welt. Die Gründe dafür wurden zuvor erläutert. Im Zuge der Strafzölle ergibt sich jedoch jetzt ein weiterer kostensteigender Faktor. Steigen die Preise der Produkte, steigt der Umsatz und da der Umsatz in der Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung in der Regel die Kalkulationsgrundlage darstellt, ergibt sich daraus eine höhere Versicherungsprämie.

Festzuhalten ist dementsprechend, dass die Strafzölle nicht nur zu Schwierigkeiten im Absatz, sondern auch zu steigenden Kosten führen kann.

Um sich versicherungstechnisch richtig für das US-Geschäft aufzustellen empfiehlt es sich, dass Thema mit einem Versicherungsmakler zu besprechen, welcher über das entsprechende Know-How und die internationale Erfahrung verfügt.

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