06.03.2018

Industrieversicherungen

Hoher Stahlpreis: „Unterversicherungs“-Gefahr steigt rapide

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Abschottung à la „America first“ samt drohenden US-Strafzöllen und chinesische Anbieter, die von heute auf morgen ihre Exporte zusammenstreichen – nur zwei von vielen Gründen, warum der Stahlpreis seit Monaten unaufhörlich steigt. Befeuert wird diese Entwicklung durch stetig teurer werdende Rohstoffpreise für Kokskohle und Eisenerz – beides wird zur Produktion benötigt.

Doch was bedeuten die Preiskapriolen für hiesige Händler und für Unternehmen, die Stahl als Rohstoff für ihre Produkte nutzen? Zunächst einmal wird das Arbeiten mit dem Rohstoff schlicht teurer – und erfordert mehr Kapitaleinsatz. „Hinzu kommt ein versicherungstechnischer Aspekt, den viele unterschätzen. Denn die Gefahr besteht, dass Stahlverarbeiter und -händler im Schadenfall in eine sogenannte ‚Unterdeckungs-Situation’ kommen“, so Dennis Gottschalk, Industriekundenbetreuer bei LEUE & NILL. Diese Unterdeckung entsteht, wenn der Wiederbeschaffungswert von Gütern höher ist als eine vereinbarte Versicherungssumme. Ein Umstand, der schneller eintritt als man gemeinhin denkt. Zwar ist Stahl ein sehr widerstandsfähiges Material, jedoch gleichzeitig auch sehr ausdifferenziert. Und so reichen mitunter schon starke Temperaturschwankungen, die beispielsweise bei einem Brand auftreten können, um die Eigenschaften des Materials zu verändern, es zu schädigen und es so letztlich unbrauchbar zu machen.

Der Zusammenhang zum aktuell massiven Preisanstieg liegt nun darin, dass in gängigen Sachwertversicherungen für die Industrie über die Position „Waren/Vorräte“ eine festgelegte, absolute Summe versichert ist. Diese wird in der Regel an einem Stichtag ermittelt und von den Betrieben gemeldet. Bleibt der Bestand mengenmäßig gleich, der Wiederbeschaffungswert steigt jedoch, ist die dadurch auftretende Differenz in der Regel nicht mitversichert. Die sich auf diese Weise ergebende Lücke zwischen „versichert“ und „unversichert“ kann – je nach Art und Menge des Stahls – schnell ins Geld gehen.

Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es zwei wesentliche Lösungsansätze. „Zum einen kann der Abstand zwischen den einzelnen Lager-Wert-Ermittlungen deutlich verkürzt werden. Statt einmal jährlich wird dem Makler oder Versicherer beispielsweise monatlich mitgeteilt, wie hoch der Wert des aktuell lagernden Stahls ist. Die Versicherungssumme sowie der -beitrag werden entsprechend angepasst“, so der Experte. Die zweite Möglichkeit: die Festlegung eines „Maximalwertes“ als feste Versicherungssumme. Dadurch entfällt eine monatliche Meldung – was am Versicherungsmarkt regelmäßig mit einem Prämiennachlass honoriert wird. Allerdings sollten hier vor dem Hintergrund steigender Stahlpreise wiederkehrende Überprüfungen der Versicherungssumme auf Aktualität vorgenommen werden.

Unternehmen, die momentan einen hohen Lagerbestand an Vormaterialien besitzen, welche von Preissteigerungen betroffen sind, sollten zeitnah Werte und Versicherungssummen überprüfen. „Im Zweifelsfall sollte man sich mit dem eigenen Makler oder Versicherer in Verbindung zu setzen“, rät Gottschalk.

LEUE & NILL GmbH + Co.KG

Christian Boss
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Fon: +49 231 5404-0

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