30.06.2018

Insolvenz in Eigenregie

Unternehmen verpassen Sanierungschancen

© Vlad Kochelaevskiy - Fotolia

Es ist die Unwissenheit, warum viele Mittelständler in einer bedrohlichen Unternehmenskrise eine Sanierung unter Insolvenzschutz nicht nutzen. Eine Umfrage der Creditreform und dem Deutschen Institut für angewandtes Insolvenzrecht (DIAI) kam zu dem Ergebnis, dass fast zwei Drittel der 1.112 befragten Unternehmer diese seit nunmehr sechs Jahren bestehende Möglichkeit der Unternehmenssanierung nicht kennen.

Damit verpassen viele Unternehmen die Chance, eine Unternehmenssanierung in Eigenregie, also ohne Eingriff eines externen Insolvenzverwalters, durchzuführen. Der Schaden ist nicht nur für den Unternehmer, sondern auch für die Volkswirtschaft enorm. Im Jahr 2017 wurden 20.093 Unternehmensinsolvenzen beantragt. Nach Schätzung von Creditreform sind dadurch 198.000 Arbeitsplätze bedroht bzw. weggefallen. Gläubiger meldeten aufgrund von Unternehmensinsolvenzen Forderungen in Höhe von 29,7 Mrd. Euro an. 

Sanierungschancen nutzen

Eine Insolvenz in Eigenregie gibt der Geschäftsführung Zeit, in Ruhe eine nachhaltige Sanierungsstrategie zu entwickeln. Zudem stärkt sie den finanziellen Spielraum, da die Gehälter für die nächsten drei Monate aus der Insolvenzkasse der Bundesagentur für Arbeit gezahlt werden. Das eigentliche Anliegen der Insolvenz, die Gläubigeransprüche zu befriedigen, bleibt unberührt. Das sind die Vorteile:

  • Unternehmer/innen können selbst bestimmen, welcher Sachwalter ihnen zur Seite gestellt wird, der sie berät und kontrolliert. Dadurch haben sie selbst die Zügel in der Hand und die Verfügungsbefugnis über ihr Vermögen.
  • Größere Unternehmen (Bilanzsumme größer 4,84 Mio. Euro, Umsatzerlöse größer 9,68 Mio. Euro und/oder mehr als 50 Arbeitnehmer) müssen einen vorläufigen Gläubigerausschuss einberufen. Dieses Gremium hat ein wichtiges Mitspracherecht bei der Auswahl des Insolvenzverwalters und der Anordnung der Eigenverwaltung und kann beratend unterstützen.
  • Mit dem Sachwalter an ihrer Seite hat die Geschäftsführung drei Monate Zeit, in Ruhe alle notwendigen Schritte einzuleiten und die Geschäfte fortzuführen. In dieser Zeit dürfen die Gläubiger keine Vollstreckungsmaßnahmen einleiten.
  • Es besteht Sonderkündigungsrecht für Miet-, Leasing-, Liefer- und Arbeitsverträge. Unternehmer/innen dürfen für ihre Mitarbeiter drei Monate lang Insolvenzgeld beantragen.

Verfahren beantragen

Da das Gericht dem Schutzschirmverfahren zustimmen muss, ist der Sanierungsantrag im Vorfeld von der Geschäftsleitung sorgfältig vorzubereiten. Die Sanierungsfähigkeit muss von unabhängigen Experten bescheinigt und nachvollziehbar sein. Die Eigenverwaltung darf auch nicht zu einer Benachteiligung der Gläubiger führen. Stimmt der Gläubigerausschuss einstimmig zu, soll das Gericht hieran gebunden sein. Stimmt das Gericht nicht zu, wird es einen Insolvenzverwalter bestimmen. Von da an hat die Geschäftsführung nichts mehr zu sagen. Das Schicksal des Unternehmens liegt nun in der Hand des “fremden“ Insolvenzverwalters.

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