02.12.2019

Kommt die Jahresendrally?

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Die Gewinnberichterstattung der börsennotierten Unternehmen für das dritte Quartal 2019 nimmt ihren Lauf. Zwar blieb eine umfassende Gewinnrezession im Durchschnitt vielerorts aus, die Ertragserwartungen sind jedoch vor allem in den USA für das kommende Quartal wenig vielversprechend. Auch die ökonomischen Wachstumsraten blieben schwach.

Aktien- sowie Anleiheinvestoren sind dieses Jahr bisher für ihre Stressresistenz belohnt worden. Trotz hoher Schwankungsbreite konnten globale Aktien- und Rentenindizes stark zulegen. Nach den durchwachsenen Sommermonaten gelang es dem breit gefassten USamerikanischen Aktienindex S&P 500 im Oktober sogar, ein neues Allzeithoch zu erreichen. Seitdem klettern die US-Aktienmärkte immer höher. Auch für den deutschen Leitindex DAX ist der Weg zu seiner Bestmarke aus dem Frühjahr 2018 nicht mehr weit entfernt – rund 3 % fehlen ihm dafür noch.

Die Gründe für die jüngsten Kapitalmarktbewegungen sind schnell auszumachen. Die Entspannungssignale aus den beiden Kernrisikofeldern Brexit und Handelsstreit übertrugen sich an den Kapitalmärkten in Kursgewinne. Neben einem „Mini“-Deal zwischen den USA und China hatte die erneute Verschiebung des EU-Austrittsdatums Großbritanniens einen maßgeblichen Anteil an den jüngsten Kursgewinnen. Zwar ist weiterhin keines der beiden Probleme endgültig gelöst, eine weitere Eskalation blieb jedoch aus, was von Seiten der Anleger positiv aufgenommen wurde. Daneben waren es die Notenbanken, die mit niedrigeren Zinsen und Offenmarktgeschäften die Märkte unterstützen. Die Fed hat im Oktober ein drittes Mal in diesem Jahr die Leitzinsen um je 25 Basispunkte gesenkt. Anfang des Jahres war noch von Zinserhöhungen auszugehen. Die Europäische Zentralbank hat neben einer Zinssenkung seit Anfang November ihr Anleiheankaufprogramm reaktiviert – sie kauft Staats- und Unternehmensanleihen mit einem monatlichen Volumen von 20 Mrd. EUR und lässt damit ihre Bilanz wieder anwachsen. Auch die US-Notenbank kauft seit Ende September wieder kurzläufige Staatsanleihen. Mit einem monatlichen Volumen von 60 Mrd. USD übertrifft sie sogar noch die EZB. Allerdings sind diese Käufe nicht mit denen der Europäischen Zentralbank vergleichbar. Die US-Notenbank interveniert am Geldmarkt, da es zu Liquiditätsengpässen im September kam. Die Offenmarktgeschäfte sind – im Vergleich zu denen der EZB – auch zeitlich limitiert.

Wackliges Fundament

Bei einem Blick auf die Kursentwicklung an den globalen Aktienmärkten könnte man denken, dass die Konjunktur in einer robusten Aufwärtsbewegung sei und die Unternehmen solide Ergebnisse präsentierten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Während die US-Wirtschaft im dritten Quartal mit der Potenzialrate wuchs (+1,9 %  z. Vj.), setzten die europäischen Volkswirtschaften ihr schwaches Wachstum aus dem Vorquartal fort (+1,1 % z. Vj.). Die deutsche Wirtschaft konnte nach einem minimalen Zuwachs in Q3 (+0,1 % z. Vq.) gerade noch einer Rezession entgehen. Für die kürzlich veröffentlichten Unternehmensergebnisse lassen sich ähnliche Abschwächungstendenzen erkennen. Nachdem in den vergangenen Quartalen die europäischen Unternehmen mit rückläufigen Gewinnwachstumsraten zu kämpfen hatten, waren es im dritten Quartal vor allem ihre USamerikanischen Pendants. Wie in der Grafik unten zu sehen ist, bahnt sich für das kommende Quartal sogar noch eine Verstärkung der divergierenden Entwicklung an. Für die Aktienmärkte bedeuten die fallenden Gewinne und Gewinnerwartungen bei gleichzeitig steigenden Kursen eine deutliche Erhöhung in den Bewertungen. Im breiten Weltindex und im Speziellen auf dem USAktienmarkt sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse nahe ihren Höchstständen aus dem Jahr 2017. Auch in den meisten anderen Regionen liegen die Bewertungen über ihren langjährigen Durchschnittsraten.

Blick nach vorn

Trotz dieser divergierenden Entwicklung von Aktienkursen und Gewinnentwicklung lässt sich eine positive Tendenz erahnen. Der Rückgang in den Vorlaufindikatoren hat sich in seiner Intensität abgeschwächt. Einige Soft- und Hard-Daten, wie z. B. Einkaufsmanagerindizes, scheinen einen Boden gefunden zu haben. Vor allem das sich seit mehr als anderthalb Jahren im Abwärtssog befindende verarbeitende Gewerbe zeigt global erste Wiederbelebungssignale. Auch in Deutschland deuten erste Indikatoren, wie z. B. das ifo Geschäftsklima, auf eine Stabilisierung hin.

Daneben lassen sich positive Marktsignale ausmachen, die unterstützend wirken. Die Zinsinversion hat sich sowohl in Deutschland als auch in den USA wieder zurückgebildet, was als positives Signal für Aktien interpretiert wird. Der zuvor erwähnte Trend global abnehmender Gewinnerwartungen scheint sich indes auch wieder zu drehen oder zumindest einen Boden gefunden zu haben.

Eine Fortsetzung der diesjährigen Aktienmarktrally zum Jahresende könnte sich also anbahnen. Sollten sich die bereits jetzt zu beobachtenden zarten Erholungstendenzen weiter fortsetzen und keine weiteren politischen Irrwege eingeschlagen werden, dürfte die Zuversicht der Marktteilnehmer weiter steigen. Eine Situation wie Anfang 2016, als sich steigende Gewinnerwartungen in steigenden Aktienkursen widerspiegelten, wäre denkbar.  


 
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Quelle: Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG

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